| Veranstaltung: | Landeskonferenz 2026 |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Jusos Erfurt, Jusos Jena (dort beschlossen am: 21.08.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 22.08.2026, 17:14 |
A24: Verfasste Studierendenschaften in Thüringen sichern und stärken
Antragstext
Verfasste Studierendenschaften sind ein zentrales Element einer demokratischen
Hochschule. Sie ermöglichen den Studierenden, sich zu organisieren und ihre
Interessen gegenüber der Hochschule und Politik zu vertreten und diese
mitzugestalten. Sie sind somit tief in die gesellschaftliche Willensbildung
verankert. Sie sind im Thüringer Hochschulgesetz aus gutem Grund festgeschrieben
und müssen erhalten bleiben.
Neben demokratischer Willensbildung innerhalb der Studierendenschaft erfüllen
verfasste Studierendenschaften weitere wichtige Aufgabe. Sie gestalten das
Campusleben durch Veranstaltungen mit und sind Ansprechpartner:innen bei
Problemen der Studierenden.
Diese Angebote können nicht durch eine von der Universität abhängige Instanz
ersetzt werden, auch wenn diese von Studierenden geleitet wird. Eine solche
Vertretung wäre in ihrer Arbeit unmittelbar von den Strukturen abhängig, deren
Entscheidungen sie kritisch begleiten und kontrollieren soll. Eine starke
Studierendenvertretung muss deshalb unabhängig von der Hochschulleitung handeln
und auch dann für die Interessen der Studierenden eintreten können, wenn diese
den Interessen der Hochschule widersprechen. Auch die eigenständige Organisation
von Veranstaltungen ist ein unverzichtbarer Teil des Campuslebens. Sie muss
unabhängig von der Hochschulleitung möglich sein, damit Studierende selbst über
Inhalte, Ausgestaltung und Durchführung entscheiden können und dabei nicht von
der Zustimmung oder den Vorgaben der Hochschule abhängig sind.
Die Jusos Thüringen bekennen sich daher ausdrücklich zur verfassten
Studierendenschaft und zu einer starken studentischen Mitbestimmung auf allen
Ebenen der Hochschule. Demokratische Beteiligung muss gestärkt und darf nicht
zurückgedrängt werden. Bei Entscheidungen, die Studium, Lehre, studentische
Angelegenheiten oder die Rahmenbedingungen des Studiums betreffen, müssen die
Perspektiven und Interessen der Studierenden berücksichtigt werden.
Die Jusos Thüringen fordern daher:
Die gesetzliche Verankerung der verfassten Studierendenschaften im
Thüringer Hochschulgesetz muss erhalten bleiben und dauerhaft gesichert
werden. Dazu gehören insbesondere ihre demokratische Selbstverwaltung,
ihre rechtliche und finanzielle Eigenständigkeit sowie das Recht, ihre
Angelegenheiten und Aufgaben im Rahmen des Thüringer Hochschulgesetzes
eigenständig zu regeln.
- Die demokratische und unabhängige Interessenvertretung der Studierenden
muss auf allen Ebenen der Hochschule gewährleistet bleiben und gestärkt
werden. Dazu gehört neben der verfassten Studierendenschaft insbesondere
die angemessene studentische Repräsentation in den zentralen und
dezentralen Gremien der Universität, insbesondere im Senat, den Fakultäts-
und Institutsräten, sowie Berufungskommissionen.
Die SPD-Landtagsfraktion und die Thüringer Landesregierung sollen sich
ausdrücklich zur Bedeutung der verfassten Studierendenschaften und der
studentischen Mitbestimmung bekennen. Sie sollen sicherstellen, dass die
rechtlichen Voraussetzungen für eine starke, unabhängige und demokratisch
legitimierte studentische Vertretung erhalten bleiben und weiterentwickelt
werden.
Die Konferenz Thüringer Studierendenschaften (KTS) soll als landesweite
Interessenvertretung der Studierenden in Thüringen gestärkt werden. Bei
Gesetzesvorhaben und politischen Entscheidungen des Landes, die
Studierende, das Studium oder die Hochschulen betreffen, muss die KTS
frühzeitig und verbindlich beteiligt werden.
Alle Versuche, verfasste Studierendenschaften abzuschaffen, ihre
demokratische Selbstverwaltung einzuschränken oder ihre finanzielle und
rechtliche Eigenständigkeit zu schwächen, müssen zurückgewiesen werden.
Die Jusos Thüringen stellen sich insofern insbesondere den dahingehenden
Bestrebungen der AfD entschieden entgegen.
Begründung
Bedeutsames Element einer demokratischen Hochschule sind verfasste Studierendenschaften. Sie vertreten die Interessen der Studierenden gegenüber Hochschulleitung, Stadtrat oder Landtag, gestalten das Campusleben durch Veranstaltungen mit und sind Ansprechpartner*innen bei Problemen der Studierenden. Sie tragen außerdem zur gesellschaftlichen Willensbildung bei. Studierende waren und sind Triebkraft gesellschaftlicher Entwicklungen, was in der Vergangenheit beispielsweise in der 68er-Bewegung mündete.
In Thüringen sind verfasste Studierendenschaften als rechtsfähige Teilkörperschaft der Hochschule im Thüringer Hochschulgesetz (ThürHG) §79-§82 festgeschrieben. Dort steht drin, dass sie sich eigenständig organisieren, ihre Angelegenheiten selbst regeln und Beiträge erheben können, um finanziell eigenständig zu sein.
Für die AfD und auch Teile der CDU sind Studierendenschaften jedoch ein Dorn im Auge. Sie seien zu politisch, zu kritisch, zu links. Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), der Studierendenverband der Jungen Union, macht seit Jahren auf dem Campus schon Stimmung gegen Studierendenräte in Thüringen. Die AfD treibt es noch weiter auf die Spitze und hat beispielsweise 2023 schon einen Gesetzentwurf zur Streichung von Verfassten Studierendenschaften im ThürHG in den Landtag eingebracht. Dies ist kein Einzelfall, denn ähnliche Bestrebungen gibt es durch die AfD auch in Sachsen-Anhalt. Es gibt also eine reale Gefahr für verfasste Studierendenschaften.
Es ist klar, dass Studierende durch die Abschaffung der verfassten Studierendenschaft einer wertvollen Stimme beraubt werden sollen. Studierende sollen sich fügen, den faschistischen Staatsumbau kommentarlos hinnehmen und sich am besten nicht mehr politisch äußern. Hochschulen sollen autoritärer werden und demokratische Mitbestimmung geschwächt werden. Diesem offensichtlichen Ziel müssen sich alle demokratischen Fraktionen entschieden entgegenstellen.

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