| Veranstaltung: | Landeskonferenz 2026 |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Jusos Jena (dort beschlossen am: 20.08.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 22.08.2026, 17:16 |
A25: Dem Morgenrot entgegen. Jungsozialistische Antworten auf das neue KI-Zeitalter!
Antragstext
Wir befinden uns mitten in einer Zeit wirtschaftlichen Veränderungen, deren
Dimension die der industriellen Revolution um ein Vielfaches übertreffen wird.
Künstliche Intelligenz wird in wenigen Jahren nahezu alle Bereiche menschlicher
Arbeit und gesellschaftlicher Organisation durchdrungen haben. Als
Jungsozialist:innen sind für uns die wichtigsten Dimensionen die Dimension der
Arbeit und die Dimension der Macht über KI.
1. Die Dimension der Arbeit
Die industrielle Revolution hat historisch mehr Arbeit geschaffen, als sie
überflüssig gemacht hat. Es entstand neue Arbeit in den Fabriken, wenn auch
unter menschenunwürdigen Bedingungen. Durch gewerkschaftliche Arbeitskämpfe
konnten Zugeständnisse errungen werden, die die Arbeitsbedingungen verbesserten.
Bei Künstlicher Intelligenz droht jedoch ein Bruch. KI wird die neuen Jobs, die
sie erzeugt, perspektivisch selbst bearbeiten können. Wo neue Tätigkeiten
entstehen, sind es genau diese Tätigkeiten, die von der nächsten Generation der
Systeme wieder übernommen werden können. Die Logik der Arbeitsschaffung durch
die industrielle Revolution greift nicht mehr.
Mit rasanten Fortschritten im Bereich der Robotik, gekoppelt mit KI, wird diese
Entwicklung dabei nicht nur Bürotätigkeiten betreffen. Auch das Handwerk, die
Pflege, die Logistik und die Produktion geraten in den Wirkungsbereich von KI.
Die Vorstellung, es gebe sichere Berufe, ist eine Illusion, auf die keine
verantwortungsvolle Politik bauen darf.
Aus der Not der industriellen Revolution ist die Sozialdemokratie entstanden und
hat es geschafft, die Wirtschaftstransformation und die damit einhergehenden
Nachteile einzuhegen sowie einen Sozialstaat, der die Menschen nicht allein
lässt, aufzubauen. Dieser historischen Aufgabe muss sich die SPD erneut stellen.
2. Die Dimension der Macht
KI ist bereits heute ein Machtinstrument. KI ermöglicht Massenüberwachung in
einer Qualität und Skalierung, die bisher technisch unmöglich war.
Gesichtserkennung, Verhaltensanalyse und die automatisierte Auswertung von
Kommunikationsdaten verschieben das Verhältnis zwischen Staat, Konzernen und
Individuum grundlegend. KI prägt bereits heute die Kriegsführung von autonomen
Waffensystemen bis zur Informationskriegsführung. Wer über die
leistungsfähigsten Systeme verfügt, verfügt über militärische Übermacht. Die
Gewinne, die die KI-bereitstellenden Unternehmen erwirtschaften, kommen derzeit
nur sehr wenigen Menschen zugute. Eine handvoll meist nicht-europäische Konzerne
kontrollieren Rechenzentren, Modelle und Daten. Kapital und Macht konzentrieren
sich in einer Geschwindigkeit, die alle bisherigen Trends des Kapitalismus,
Macht und Kapital zu konzentrieren, übertrifft.
Die entscheidende Frage lautet daher: Werden wir diese Veränderung zum Wohle der
gesamten Menschheit gestalten oder profitiert am Ende eine kleine Gruppe von
Menschen, die die KI kontrolliert?
KI ist, was wir daraus machen
KI ist nicht gut oder schlecht. Sie ist das, was wir daraus machen. Als Jusos
lehnen wir sowohl naive Technikeuphorie als auch reflexhafte
Technikfeindlichkeit ab. Wer KI verteufelt, verkennt die wirtschaftlichen
Transformationen, die heute schon stattfindet und verschenkt das utopische
Potenzial, welches dieser Technik innewohnt.
Richtig eingesetzt, birgt KI ein emanzipatorisches Potenzial von historischem
Ausmaß. Wie in sozialistischen Liedern oft besungen, kann sie unsere
Gesellschaft in der Befreiung des Menschen von entfremdeter, monotoner und
gefährlicher Arbeit unterstützen. Sie kann Wohlstand schaffen, der nicht mehr an
die Verwertung menschlicher Arbeitskraft gekoppelt ist. Sie kann freie Zeit für
Bildung, Sorgearbeit, demokratische Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben
schaffen. Je nachdem, wie wir als Gesellschaft in den nächsten Jahren politisch
mit KI umgehen, könnten wir der Utopie so nahe sein, wie es keine Generation
bisher war.
Voraussetzung dafür ist, dass die Gewinne dieser Technologie der Gesellschaft
als Ganzem zugutekommen. Dafür wird es jedoch einiges an politischem Mut sowie
ein geeintes Europa brauchen.
Die Gestaltung wirtschaftlicher Transformation ist die historische Kernaufgabe
der Sozialdemokratie. So wie die Arbeiter:innenbewegung die industrielle
Revolution durch Kampf um Mitbestimmung, Sozialstaat und Demokratie zivilisiert
hat, muss die Sozialdemokratie des 21. Jahrhunderts die KI-Revolution gestalten.
In dem Thema der wirtschaftlichen Transformation liegt auch die Chance auf eine
neue sozialdemokratische Gesellschaftsvision, die in den vergangenen Jahren so
verzweifelt gesucht wurde. Diese Vision kann endlich wieder über die
Verteidigung des Status quo hinausweisen und ein Versprechen auf eine bessere
Zukunft formulieren. Wenn wir das hatten, waren wir als Sozialdemokratie immer
am stärksten aufgestellt.
Unsere Position
Als Jusos Thüringen erkennen wir die KI-Transformation als eine der zentralen
politischen Herausforderungen unserer Zeit an. Mit Sorge blicken wir auf die
Konzentration von Macht in den Händen weniger Unternehmen, dem zerstörerischen
militärischen Potenzial und den Auswirkungen auf Menschen und Klima.
Hoffnungsvoll blicken wir jedoch auf die Chancen, sei es in den Bereichen der
Handlungsfähigkeit des Staates oder dem utopischen Potenzial in Bereichen der
Arbeit. Wir sind überzeugt: KI-Gewinne müssen der Gesellschaft als Ganzes
dienen. Der Sozialstaat muss erhalten bleiben und an die Gegebenheiten der KI-
Wirtschaft angepasst werden. Die Antwort auf die Veränderungen muss zudem
europäisch sein.
Wir fordern die SPD auf allen Ebenen auf, sich der historischen Aufgabe zu
stellen und politische Antworten für die neue Zeit zu entwickeln. Wir fordern
das Land Thüringen, den Bund und die EU auf, den Transformationsprozess als
ganzheitliche gesellschaftliche Aufgabe zu sehen, der transparent, demokratisch
und im Sinne aller Menschen erfolgen muss.
Begründung
erfolgt mündlich

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