| Veranstaltung: | Landeskonferenz 2026 |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Jusos Altenburger Land (dort beschlossen am: 18.08.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 22.08.2026, 17:34 |
A27: Solidarität mit den Beschäftigten bei Kelvion
Antragstext
Die Jusos Thüringen erklären ihre volle Solidarität mit den Beschäftigten und
dem Betriebsrat bei Kelvion in Nobitz Wilchwitz.
Die Beschäftigten kämpfen mit einem Erzwingungsstreik für einen
Sozialtarifvertrag und eine faire Absicherung, angesichts der angekündigten
Schließung des Standortes. Dieser Arbeitskampf ist legitim, notwendig und
verdient unsere vollste Unterstützung.
- Wir fordern die Geschäftsführung von Kelvion auf, ihrer Verantwortung
gegenüber den Beschäftigten und der Region gerecht zu werden und ein
verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen.
- Wir unterstützen die Forderung nach einem Sozialtarifvertrag, welcher die
sozialen Folgen der geplanten Schließung wirksam abfedert.
- Wir fordern die SPD Thüringen auf, den Arbeitskampf weiter sichtbar zu
unterstützen und den Druck auf Kelvion aufrechtzuerhalten.
- Wir fordern eine aktivere Industriepolitik für Thüringen: Das Land braucht
ein Frühwarnsystem für bedrohte Standorte, eine stärkere Einbindung von
Betriebsräten und Gewerkschaften sowie konkrete Unterstützung für Modelle,
bei denen Beschäftigte Verantwortung für Betriebe übernehmen können.
Denn: Gute Industriearbeit im Osten darf nicht zur Verfügungsmasse von
Konzernentscheidungen werden.
Begründung
Im Altenburger Land entscheidet sich gerade erneut, ob gute Industriearbeit im Osten eine Zukunft hat oder ob ein profitabler Standort abgewickelt wird.
Bei Kelvion in Nobitz Wilchwitz kämpfen die Beschäftigten gemeinsam mit der IG Metall für ihre Zukunft. Seit dem 4. August befinden sich die Beschäftigten im Streik. Die Geschäftsleitung will die Produktion von Wärmetauschern bis Ende des Jahres nach Sarstedt in Niedersachsen verlagern. Betroffen sind rund 250 Beschäftigte und ihre Familien.
Dabei geht es nicht um eine überholte Produktion. Nach Angaben der IG Metall ist das Werk profitabel und hat Aufträge bis weit ins nächste Jahr hinein. In Wilchwitz werden Plattenwärmetauscher hergestellt, die in Wärmepumpen, Klimaanlagen, Windrädern und Rechenzentren gebraucht werden. Es geht also um Zukunftsprodukte und industrielle Wertschöpfung in Ostthüringen.
Die Schließung ist deshalb keine wirtschaftliche Zwangsläufigkeit. Sie ist eine Entscheidung. Und diese Entscheidung trifft nicht nur einen Betrieb, sondern eine ganze Region.
Das Altenburger Land kennt solche Einschnitte zu gut. Ostdeutsche Industriearbeit wurde zu oft als verschiebbar, ersetzbar und verzichtbar behandelt. Beschäftigte haben geliefert, Qualität gesichert, Fachwissen aufgebaut und Produkte hergestellt, die gebraucht werden. Wenn dann trotzdem Schließung und Verlagerung drohen, ist das eine Machtfrage.
Nach vier Verhandlungsrunden ohne Ergebnis und mehreren Warnstreiks stimmten die IG Metall Mitglieder einstimmig für den unbefristeten Streik. Ziel ist ein Sozialtarifvertrag, der die sozialen Härten der geplanten Werksschließung abfedert.
Der Konflikt zeigt auch, wie wichtig Gewerkschaften, Betriebsräte und Solidarität sind. Der DGB Kreisverband Altenburger Land hat sich bereits klar an die Seite der Beschäftigten gestellt. Auch Thüringens Arbeitsministerin Katharina Schenk war vor Ort. Die Solidarität reicht inzwischen bis nach Sarstedt, wohin die Produktion verlagert werden soll. Dort unterstützten Beschäftigte die Forderung nach einem Sozialtarifvertrag.
Diese Solidarität muss weitergehen. Denn ein Werk zu schließen ist schon teuer. Sich vor Verantwortung zu drücken, darf nicht billiger sein.
Für uns als Jusos Thüringen ist klar: Der Kampf der Beschäftigten bei Kelvion ist mehr als ein einzelner Arbeitskampf. Er steht für die Frage, ob industrielle Zukunft im Osten gestaltet oder abgewickelt wird.
Ein Betrieb gehört nicht nur denen, die ihn besitzen. Er gehört auch zu denen, die jeden Tag darin arbeiten, und zu der Region, die von seiner Arbeit lebt.
Haltet durch. Ihr kämpft nicht allein.

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