| Veranstaltung: | Landeskonferenz 2026 |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Landesvorstand (dort beschlossen am: 19.08.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 19.08.2026, 18:25 |
A4: Life ist super nice, da, wo man den Goldring trägt! Life ist nicht so nice, da wo man den Krieg erlebt!
Antragstext
Im Sudan tobt seit 3,5 Jahren der Krieg. Der Konflikt zwischen den Generälen
Abdel Fattah Al-Burhan, der die sudanesischen Streitmächte (SAF) befehligt, und
Mohammed Hamdan Daglo, Chef der Miliz „Rapid Support Forces“ (RSF), hat bereits
über 150.000 Menschen das Leben gekostet. 14 Millionen Menschen wurden
vertrieben, fast 30 Millionen Menschen sind von Hunger betroffen.
Dieser Konflikt, der von der UN als größte humanitäre Krise auf der Welt
eingestuft wurde, erhält international erschreckend wenig Aufmerksamkeit.
Insbesondere im europäischen Bewusstsein gerät der Krieg häufig in den
Hintergrund und findet meist nur dann kurzzeitig Beachtung, wenn es zu einer
neuen Welle der Gewalt kommt. Das Muster ist dabei stets dasselbe: ein kurzer
Aufschrei, gefolgt von Schweigen. Thematisiert werden vor allem die humanitäre
Dimension des Konflikts, sowie sicherheits- und migrationspolitische Aspekte.
Die mangelnde Aufmerksamkeit für den Krieg im Sudan geht mit einer vereinfachten
Darstellung des Konflikts einher: er wird häufig als Bürgerkrieg beschrieben,
als komplexer Kampf zwischen zwei Generälen. Diese Beschreibung ist nicht
falsch, aber unvollständig. Externe Akteure spielen seit Ausbruch des Krieges
eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Konflikts und üben Einfluss auf die
Kampfhandlungen aus. Allen voran stehen die Vereinigten Arabischen Emirate, aber
auch Saudi-Arabien, Ägypten, Äthiopien, Russland, China, Großbritannien, die USA
und die EU sind auf unterschiedliche Weise in den Konflikt involviert.
Verbindendes Element dieser externen Einflussnahmen sind fast immer
wirtschaftliche Interessen, insbesondere am Zugang zu Ressourcen wie Gold oder
Gummi Arabicum, aber auch an Rüstungsexporten und Ölhandel.
Das Problem mit dem Gold
Gold spielt im Sudan-Krieg eine zentrale Rolle. Das Land ist reich an
Goldressourcen und das Edelmetall ist eine wichtige Einnahmequelle, die den
Krieg am Laufen hält. Internationalen Berichten zufolge erzielen militärische
Akteure täglich Millionen von Dollar aus goldbezogenen Aktivitäten. Vor allem
die RSF-Miliz finanziert sich über illegalen Goldhandel mit den Vereinigten
Arabischen Emiraten. Sudanesisches Gold wird über Nachbarländer wie den Tschad
oder den Südsudan in die Emirate geschmuggelt und von dort in alle Welt
exportiert. Im Gegenzug unterstützt Abu Dhabi die RSF mit Waffen, allem voran
mit Hightech-Dronen, und Emirati-Unternehmen investieren in sudanesische
Goldminen.
Durch den Export aus den Vereinigten Arabischen Emiraten findet sudanesisches
Gold seinen Weg nach Europa. So taucht beispielsweise im „Responsible Raw
Materials Report“ der Volkswagengruppe für das Jahr 2024 eine zu dieser Zeit von
der RSF kontrollierte sudanesische Goldraffinerie auf.
Die Europäische Union hat im Juli 2026 ein umfassendes Gold-Embargo gegen den
Sudan verhängt. Das Handelsverbot soll helfen, die Kriegsfinanzen der
rivalisierenden Armeen auszutrocknen. Auch der Export in den Sudan von Stoffen,
die für die Förderung von Gold nötig sind, wird untersagt. Damit hat die EU
sudanesisches Gold offiziell als Kriegsfinanzierungs-instrument benannt und ein
wichtiges Zeichen gesetzt. Allerdings wird dieses Sanktionsregime kaum etwas an
den Handelsströmen ändern. Rohgold wird typischerweise nicht direkt aus dem
Sudan in die EU geliefert. Stattdessen landet fast alles im Sudan produzierte
Gold, mehr oder weniger direkt, in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dort
wird es umdeklariert oder zu Schmuck verarbeitet und anschließend nach Europa
exportiert.
Die Vereinigten Arabischen Emirate sind für die EU einer der wichtigsten
Verbündeten in der Golfregion, als Öl- und Gaslieferant, aber auch als
geopolitischer Partner. Seit 2025 verhandelt die EU-Kommission ein
Freihandelsabkommen mit dem Golfstaat. Stellungnahmen oder Sanktionen gegen die
Emirate für ihre Einflussnahme im Sudan hat es bisher von Seiten der EU darum
noch nicht gegeben.
Gummi Arabicum nicht übersehen!
Eine weitere wichtige Ressource im Sudan-Krieg ist Gummi Arabicum. Gummi
Arabicum wird aus Akazienbäumen gewonnen und in zahlreichen Produkten
verarbeitet, beispielsweise in Coca-Cola, Energydrinks, Keksen, Kosmetik,
Medizin oder Farbstoffen. Im Sudan werden 80% des weltweiten Gummi Arabicum-
Bedarfs produziert. Auch Gummi Arabicum wird seit Ausbruch des Krieges
geschmuggelt, vor allem von der RSF, denn die Miliz kontrolliert die
Haupterntegebiete. Mittlerfirmen kaufen das geschmuggelte Gummi Arabicum,
verarbeiten es beispielsweise zu Emulgatoren und verkaufen es anschließend an
(europäische) Großkonzerne. Dass auch diese Ressource zur Aufrechterhaltung des
Konflikts beiträgt, zeigt sich aktuell am Beispiel von El Obeid. Seit mehreren
Wochen wird die Stadt von der RSF-Miliz belagert, denn sie ist einerseits
militärisch von strategischer Bedeutung, andererseits aber auch ein wichtiges
Handelszentrum für Güter wie Gummi Arabicum.
Rüstungsexporte
Großbritannien exportiert Waffen in die VAE, obwohl bekannt ist, dass diese
Waffen an die RSF weitergeleitet werden. Frankreich pflegt mit den VAE eine
langjährige Partnerschaft im Verteidigungssektor und exportiert Waffensysteme in
die Emirate. Französische Militärtechnologie wird somit in Emirati-Panzern
verarbeitet, die anschließend im Sudan verwendet werden. Dies stellt einen
Verstoß gegen das seit 1994 bestehende EU-Waffenembargo gegen Sudan sowie gegen
das UN-Waffenembargo für die Region Darfur dar.
Diese Beispiele zeigen, dass der Krieg im Sudan keine Tragödie ist, die sich
weit entfernt von uns Europäer:innen abspielt und mit der wir nichts zu tun
haben. Im Gegenteil – gerade wegen wirtschaftlicher Interessen ist der Konflikt
für externe Akteure ein regelrechtes Geschäftsmodell. Die wirtschaftlichen
Verstrickungen Europas und Deutschlands werden dabei medial wenig beleuchtet und
von politischen Entscheidungsträger:innen kaum thematisiert.
Darum fordern wir:
- Mehr Transparenz über die wirtschaftlichen Verflechtungen deutscher
Unternehmen mit dem Sudan und über die Herkunft sudanesischer Güter
innerhalb ihrer Lieferketten. Diese Transparenz muss über die bestehenden
Transparenzpflichten der EU- und UN-Waffenembargos sowie des EU-Gold-
Embargos hinausgehen. Um Transparenz zu gewährleisten und nachvollziehbar
zu machen, sind wirksame Kontroll- und Rechenschaftsmechanismen vonseiten
der deutschen Bundes- und Landespolitik erforderlich.
- Eine klare Stellungnahme der Bundesregierung zur Rolle der Vereinigten
Arabischen Emirate im Sudan-Krieg sowie konkrete Maßnahmen gegen die daran
beteiligten Akteure und Strukturen. Deutsche politische
Entscheidungsträger:innen sollen sich auch auf europäischer Ebene gezielt
für Sanktionen gegen Personen und Organisationen einsetzen, die durch ihre
Unterstützung der RSF zur Fortführung des Krieges beitragen.
- Die Ausarbeitung wirksamer Maßnahmen gegen den Schmuggel von Gold und
Gummi Arabicum über Drittländer nach Europa. Das Beispiel des Goldhandels
zeigt, dass Maßnahmen, die sich ausschließlich auf den Sudan beziehen, nur
begrenzte Wirkung entfalten können, wenn die entsprechenden Güter über
Drittstaaten in den europäischen Markt gelangen. Transnationale
Handelswege und externe Akteure müssen darum in die europäischen Kontroll-
und Sanktionsmechanismen einbezogen werden.
- Ein sofortiges Einstellen europäischer Waffenexporte in die Vereinigten
Arabischen Emirate. Wenn Europa seinem Anspruch der Wahrung der
Menschenrechte gerecht werden will, dann müssen Waffenströme, bei denen
ein Risiko besteht, dass sie an Kriegsparteien im Sudan weitergeleitet
werden, ausnahmslos unterbunden werden.
Begründung
Erfolgt mündlich.

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