| Veranstaltung: | Landeskonferenz 2026 |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Landesvorstand (dort beschlossen am: 19.08.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 19.08.2026, 17:24 |
A2: Her mit dem Azubiwerk - Schluss mit dem Kammerspiel!
Antragstext
Wer in Thüringen studiert, hat Chancen auf einen Wohnheimplatz, Essen in der
Mensa, Sozialberatungsangebote, das Semester- und ein Kulturticket und eine
gewählte Interessenvertretung. Wer eine Ausbildung macht, kriegt nichts davon.
Diese Ungleichbehandlung nehmen wir nicht hin. Ein Azubiwerk muss her! Dabei
handelt es sich nicht um ein Wohnungsbauprojekt mit Beratungsanhang, sondern um
eine Machtfrage: Bekommen junge Menschen im Freistaat eine organisierte Stimme
oder wird weiterhin nur über sie und nicht mit ihnen gesprochen?
Dass es geht, ist längst bewiesen. München betreibt sein AzubiWerk gemeinsam mit
Kreisjugendring und DGB-Jugend und arbeitet an rund 1.000 Wohnungen. Hamburg hat
ebenfalls ein Auszubildendenwerk und etwa 550 Wohnplätze für Azubis, Berlin
zieht in der Errichtung nach.
In Thüringen dagegen dreht sich die Debatte im Kreis. Der Landtag hat sich im
Dezember 2025 mit dem Haushalt 2026/27 zum Azubiwerk bekannt. Der
Ministerpräsident kündigte im Mai 2026 eine „Ausbildungskammer" an und will
seither prüfen, „was trägt". Nun fällt die Einrichtung des Auszubildendenwerks
in der Prüfung durch die Landesregierung durch, mit dem Hinweis, es würde sich
um den Aufbau von Doppelstrukturen und zusätzliche Bürokratie handeln und
erhöhten Ressourcenbedarf erfordern.
Als Jusos Thüringen fordern wir die Landesminister:innen der SPD in der
Landesregierung und die SPD-Landtagsfraktion dazu auf, sich für dennoch für die
Einrichtung eines Azubiwerks im Freistaat einzusetzen. Die Landtagsfraktion
fordern wir auf, das Azubiwerk in den nächsten Haushaltsverhandlungen zur
Priorität zu machen. Dabei dürfen die Mittel für das Studierendenwerk nicht
gekürzt werden. Das Ziel muss die Schaffung von Gleichwertigkeit von Studium und
Ausbildung sein und darf nicht die Umverteilung von Ressourcen zwischen jungen
Menschen bedeuten.
Die Jusos Thüringen fordern außerdem:
Es braucht keine weitere Machbarkeitsstudie und kein Modellprojekt,
sondern ein Azubiwerk, das - analog zum Studierendenwerk - durch
Landesgesetz geschaffen, institutionell gefördert und dauerhaft im
Haushalt abgesichert wird.
Die Trägerschaft und Gremien sollen paritätisch durch das Land, die
Kommunen, die DGB-Jugend, die Ausbildungskammern und den Landesjugendring
sowie gewählte Auszubildende mit Sitz und Stimmrecht besetzt werden. Eine
Kammerlösung ohne gewerkschaftliche Beteiligung und ohne
Mitbestimmungsrechte der Auszubildende lehnen wir ab.
Es braucht bezahlbaren Wohnraum für Azubis. Diese müssen preisgebunden
sein und an den Berufsschulstandorten in Thüringen verfügbar sein. Wir
fordern die Errichtung von mindestens 500 Zimmern bis zum Jahr 2030. Die
Warmmiete muss dabei auf höchstens 25 Prozent der durchschnittlichen
Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr gedeckelt sein und ist daran
dynamisch zu koppeln.
Auch Mobilität und Verpflegung müssen sich vom Azubigehalt bezahlen
lassen. Wir fordern die Einführung eines landesweiten Azubi-Tickets für
höchstens 29 Euro im Monat, das perspektivisch kostenfrei, für
Auszubildende, Berufsschüler:innen, Praktikant:innen und
Freiwilligendienstleistende analog zum Semesterticket für Studierende zur
Verfügung stehen soll. Wir fordern außerdem die volle Erstattung durch das
Land von Fahrt- und Übernachtungskosten bei Blockunterricht und zu
überregionalen Berufsschulen. Wir fordern außerdem, bis zur Errichtung von
Mensen für Azubis an den Berufsschulstandorten, dass Azubis in den Mensen
des Studierendenwerks zum vergünstigten Studierendentarif essen können.
Begründung
Erfolgt mündlich.

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