| Veranstaltung: | Landeskonferenz 2026 |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Jusos Erfurt (dort beschlossen am: 21.08.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 22.08.2026, 21:12 |
A34: Defensive Architektur – weniger stacheln, mehr Herz
Antragstext
Sogenannte "Defensive" oder Feindliche Architektur schränkt in vielfältiger
Weise und an unterschiedlichsten Orten vor allem in Innenstädten die Bewegungs-
und Aufenthaltsfreiheit der Bürger:innen sowie die Nutzungsmöglichkeiten
öffentlicher Infrastruktur stark ein.
Mit Spitzen besetzte Freiflächen, Bänke mit übermäßig vielen Armlehnen und
weitere Formen "Defensiver" Architektur sind bewusst gewählte Designs, die dazu
dienen, den Aufenthalt an Orten öffentlichen Lebens ungemütlicher zu machen oder
politisch unerwünschte Nutzungsformen zu verhindern. Sie schließen gezielt
Bevölkerungsgruppen, insbesondere wohnungslose Personen, von der Nutzung
öffentlicher Flächen und folglich auch aus der öffentlichen Wahrnehmung aus.
Vorwände, wie etwa älteren Mitbürger:innen die Nutzung öffentlicher Plätze zu
ermöglichen oder angeblich Schäden durch Skateboarder zu verhindern, dienen
dazu, die Gewalt, welche den Anwohner:innen durch diese Architektur angetan
wird, zu verschleiern. Mit solchen Argumenten werden die Bedürfnisse
verschiedener Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt, zu Ungunsten
bereits marginalisierter Teile unserer Gesellschaft.
Als sozialistischer Jugendverband wollen wir das gute Leben für alle. Die
Bekämpfung von Armut und ihren Folgen gehören zu den zentralen Aspekten unserer
Grundwerte. Deshalb erteilen wir diesem kapitalistischen Auswuchs der
Stadtplanung und dem Ausspielen der Menschen gegeneinander eine klare Absage.
Unsere Innenstädte sind keine Kaufhäuser sondern Lebensraum, sie brauchen keine
Clean Asthetic sondern inklusive und soziale Nutzungskonzepte. Wir stellen uns
gegen den gezielten Ausschluss von Bevölkerungsgruppen aus dem öffentlichen
Leben und ihre Verbannung aus den Zentren unserer Städte und Dörfer!
Die Jusos Thüringen fordern daher:
Die Gliederungen und Mandatsträger:innen der Jusos Thüringen sollen auf
den Abbau bestehender defensiver Architektur in den Städten und Gemeinden
hinwirken.
Die SPD Thüringen und ihre Mandatsträger:innen positionieren sich gegen
“Defensive” Architektur in ganz Thüringen. Sie setzen sich in den Kommunen
dafür ein, bestehende Anlagen zu entfernen und stellen sich gegen
Installationen dieser Art in neuen Bauvorhaben.
Die SPD Thüringen setzt sich dafür ein, dass Neubauten von Anlagen
“Defensiver” Architektur keine Finanzierung durch das Land oder Kommunen
erhalten. Als Mittel dafür dient explizit auch die Anpassung von
Förderrichtlinien.
Begründung
Nur wenn Armut sichtbar ist, kann sich politischer Wille entwickeln, sie zu bekämpfen. “Defensive” Architektur zielt konkret darauf ab, Armut und insbesondere Wohnungslosigkeit unsichtbar zu machen. Wollen wir uns glaubhaft dafür einsetzen, Armut zu bekämpfen, muss der erste Schritt sein, Menschen jeder Herkunft und Klasse in unseren Städten zu akzeptieren, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Aber nicht nur Wohnungslose werden durch “Defensive” Architektur verdrängt und ausgeschlossen. Auch Jugendlichen, Subkultur, alternativen oder künstlerischen Nutzungsformen wird der Zugang zu öffentlichen Flächen verwehrt.
“Defensive” Architektur ist daher der Ausdruck des (politischen) Willens darüber, wer welche Flächen nutzen darf und wofür. Das ist wissenschaftlich weitgehender Konsens. Durch ihre Implementation wird unerwünschte Nutzung mit baulich manifestierten Mitteln gewaltvoll verhindert. Ungeachtet aller Kriminalitätsschwerpunkte, Unansehnlichkeiten oder angeblich drohender Beschädigungen widerspricht diese Art, die Nutzung öffentlicher Räume auszuhandeln, fundamental unserem sozialistischen Selbstverständnis als Jugendverband und auch den sozialdemokratischen Grundsätzen unserer Mutterpartei. Gewaltvolle Vertreibung kann für Sozialist:innen und Sozialdemokrat:innen nie das Mittel der Wahl sein.
Deshalb ist es notwendig, dass wir uns für die bauliche Inklusivität unserer Städte einsetzen, denn nur davon ausgehend können wir echte Solidarität organisieren!

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