| Antrag: | Dem Morgenrot entgegen. Jungsozialistische Antworten auf das neue KI-Zeitalter! |
|---|---|
| Antragsteller*in: | KV Weimar/Weimarer Land, KV Erfurt, KV Jena |
| Status: | Angenommen |
| Abstimmungsergebnis: | durch Antragssteller:in |
| Eingereicht: | Gestern, 12:50 |
Ä2 zu F02: Dem Morgenrot entgegen. Jungsozialistische Antworten auf das neue KI-Zeitalter!
Titel
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Dem Morgenrot entgegen -- die Forderung nach Jungsozialistischen Antworten auf das neue KI-Zeitalter
Antragstext
Wir befinden uns mitten in einer Zeit wirtschaftlichen Veränderungen, deren Dimension die der industriellen Revolution um ein Vielfaches übertreffen wird. Künstliche Intelligenz wird in wenigen Jahren nahezu alle Bereiche menschlicher Arbeit und gesellschaftlicher Organisation durchdrungen haben. Als Jungsozialist:innen sind für uns die wichtigsten Dimensionen die Dimension der Arbeit und die Dimension der Macht über KI.
1. Die Dimension der Arbeit
Die industrielle Revolution hat historisch zwar mehr Arbeit geschaffen, als sie überflüssig gemacht hat, dadurch allerdings bisher ungekannte Ausbeutung und Verelendung ermöglicht. In den Fabriken entstand zwar neue Arbeit, allerdings meist unter menschenunwürdigen Bedingungen. Die Gewinne erhielten vor allem die Eigentümer:innen der Produktionsmittel. Nur durch gewerkschaftliche Arbeitskämpfe konnten Zugeständnisse errungen werden, die die Arbeitsbedingungen verbesserten und soziale Absicherung unterstützten.
Bei Künstlicher Intelligenz droht jedoch ein Bruch. KI kann nicht nur bestehende Tätigkeiten, Tätigkeiten automatisieren. Neue Arbeit, die durch den technologischen Wandel entsteht, muss nicht dauerhaft von Menschen erledigt werden. Diese Tätigkeiten können potentiell von der nächsten Generation der Systeme wieder übernommen werden. Gerade orchestrierte KI-Agents (herarisch aufgebaute KI-Arbeiter) bieten hier eine Möglichkeit die zunehmend Nutzung finden. Es ist vorstellbar, dass die Logik der Arbeitsschaffung durch die industrielle Revolution greift also nicht mehr. Wo sich heute Prognosen und Studien noch uneins sind, müssen wir Schritte einleiten, um proaktiv die Risiken des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz zu senken.
Mit rasanten Fortschritten im Bereich der Robotik, gekoppelt mit KI, wird diese Entwicklung dabei nicht nur Bürotätigkeiten betreffen. KI wird perspektivisch alle Bereiche menschlicher Arbeit betreffen, unabhängig davon, ob Tätigkeiten an Menschen, Maschinen oder Computern ausgeübt werden.. Die Vorstellung, es gebe sichere Berufe, ist eine Illusion, auf die keine verantwortungsvolle Politik bauen darf.
Aus der Not der industriellen Revolution ist die Sozialdemokratie mit dem Anspruch, die Wirtschaft nicht sich selbst zu überlassen, sondern sie nach den Prinzipien der Solidarität, Mitbestimmung und sozialer Gerechtigkeit zu gestalten, entstanden. Sie versucht seitdem , die Wirtschaftstransformation und die damit einhergehenden Nachteile einzuhegen, sowie einen Sozialstaat, der die Menschen nicht allein lässt, auszubauen. Dieser historischen Aufgabe muss sich die SPD weiter stellen.
2. Die Dimension der Macht
KI ist bereits heute ein Machtinstrument. KI ermöglicht Massenüberwachung in einer Qualität und Skalierung, die bisher technisch unmöglich war. Gesichtserkennung, Verhaltensanalyse und die automatisierte Auswertung von Kommunikations- und Bewegungsdaten ermöglichen es, jede Facette des Lebens zu dokumentieren, auszuwerten und auf Basis dieser Vorhersagen zu treffen. Dies verschiebt die Macht vom Individuum hinzu denjenigen, die über die Systeme und Daten verfügen, sei es der Staat, oder ein Konzern.grundlegend. KI prägt bereits heute die Kriegsführung von autonomen Waffensystemen bis zur Informationskriegsführung. Wer über die leistungsfähige Systeme verfügt, verfügt über militärische Macht. Die Gewinne, die die KI-bereitstellenden Unternehmen erwirtschaften, kommen derzeit nur sehr wenigen Menschen zugute. Eine handvoll meist nicht-europäische Konzerne kontrollieren Rechenzentren, Modelle und Daten, die gemeinsam die Voraussetzungen für die Entwicklung und Nutzung leistungsstarker KI-Modelle bilden. Kapital und Macht konzentrieren sich auf eine Weise, die in den bisherigen Trends des Kapitalismus, Macht und Kapital zu konzentrieren, ungekannt waren.
Die entscheidende Frage lautet daher: Werden wir diese Veränderung zum Wohle der gesamten Menschheit gestalten oder profitiert am Ende eine kleine Gruppe von Menschen, die mit der Nutzung von KI Gewinne erzielt?
KI ist, was wir daraus machen
KI ist nicht gut oder schlecht. Sie ist das, was wir daraus machen. Als Jusos lehnen wir sowohl naive Technikeuphorie als auch reflexhafte Technikfeindlichkeit ab. Wer KI verteufelt, verkennt die wirtschaftlichen Transformationen, die heute schon stattfindet und verschenkt das Potenzial, welches dieser Technik innewohnt.
Richtig eingesetzt, birgt KI ein emanzipatorisches Potenzial von historischem Ausmaß. Wie in sozialistischen Liedern oft besungen, könnte sie dazu beitragen, Menschen von entfremdeter, monotoner und gefährlicher Arbeit zu befreien . Die Produktivitätsgewinne, die durch KI möglich werden, könnten Wohlstand schaffen, der nicht mehr an die Verwertung menschlicher Arbeitskraft gekoppelt ist. Sie kann freie Zeit für Bildung, Sorgearbeit, demokratische Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben schaffen. Diese Entwicklungen sind jedoch keineswegs garantiert. Die Technologien könnten auch, je nachdem, wie wir als Gesellschaft in den nächsten Jahren politisch mit KI umgehen, zur Konzentration von Macht und Verstärkung gesellschaftlicher Ungleichheiten führen. Wir könnten der Utopie so nahe sein, wie es keine Generation bisher war, oder eine Dystopie schaffen.
Voraussetzung dafür ist, dass die Gewinne dieser Technologie der Gesellschaft als Ganzem zugutekommen. Dafür wird es jedoch einiges an politischem Mut sowie ein geeintes Europa brauchen.
Die Vertretung der Interessen von Arbeitnehmer:innen und die demokratische Begrenzung wirtschaftlicher Macht sind die historische Kernaufgabe der Sozialdemokratie. Die Arbeiter:innenbewegung, die die industrielle Revolution durch Kampf um Mitbestimmung, Sozialstaat und Demokratie zivilisiert hat, muss nun im 21. Jahrhundert die KI-Revolution gestalten, um sicherzustellen, dass diese Errungenschaften nicht irrelevant werden. Dies ist Aufgabe der Sozialdemokratie
In dem Thema der wirtschaftlichen Transformation liegt auch die Chance auf eine neue sozialdemokratische Gesellschaftsvision, die in den vergangenen Jahren so verzweifelt gesucht wurde. Diese Vision kann endlich wieder über die Verteidigung des Status quo hinausweisen und ein Versprechen auf eine bessere Zukunft formulieren.
Unsere Position
Als Jusos Thüringen erkennen wir die KI-Transformation als eine der zentralen politischen Herausforderungen unserer Zeit an. Mit Sorge blicken wir auf die
Konzentration von Macht in den Händen weniger Unternehmen, dem zerstörerischen militärischen Potenzial und den Auswirkungen auf Menschen. Hoffnungsvoll blicken wir jedoch auf die Chancen, insbesondere dem utopischen Potenzial in Bereichen der Arbeit. Wir sind überzeugt: KI-Gewinne müssen der Gesellschaft als Ganzes dienen. Der Sozialstaat muss erhalten bleiben und an die Gegebenheiten der KI-Wirtschaft angepasst werden. Die Antwort auf die Veränderungen muss zudem europäisch sein.
Wir fordern die SPD auf allen Ebenen auf, sich der historischen Aufgabe zu stellen und politische Antworten für die neue Zeit zu entwickeln. Wir fordern das Land Thüringen, den Bund und die EU auf, die Kontrolle der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformationsprozess als ganzheitliche gesellschaftliche Aufgabe zu sehen, der transparent, demokratisch und im Sinne aller Menschen erfolgen muss. Unser Ziel muss es sein regulatorische Rahmenbedingungen und Einschränkungen, bis hin zu Verboten, zu schaffen, welche Thüringen, Deutschland und Europa auf der einen Seite nicht von externen Kräften beeinflussbar machen, auf der anderen Seite europäische Lösungen im Bereich KI fördern
Antragsbegründung
erfolgt mündlich
Änderungsanträge zu diesem Änderungsantrag
- Ä4 (KV WE/WL, KV UHK (dort beschlossen am: 19.09.2026), Angenommen)
