| Veranstaltung: | Landeskonferenz 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 6 Antragsberatung |
| Status: | Beschluss |
| Abstimmungsergebnis: | einstimmig angenommen |
| Beschluss durch: | Lako |
| Beschlossen am: | 19.09.2026 |
| Antragshistorie: | Version 2 |
Her mit dem Azubiwerk - Schluss mit dem Kammerspiel!
Beschlusstext
Wer in Thüringen studiert, hat Chancen auf einen Wohnheimplatz, Essen in der
Mensa, Sozialberatungsangebote, das Semesterticket, ein Kulturticket und eine
gewählte Interessenvertretung. Wer eine Ausbildung macht, kriegt nichts davon.
Diese Ungleichbehandlung nehmen wir nicht hin. Ein Azubiwerk muss her! Dabei
handelt es sich nicht um ein Wohnungsbauprojekt mit Beratungsanhang, sondern um
eine Machtfrage: Bekommen junge Menschen im Freistaat eine organisierte Stimme
oder wird weiterhin nur über sie, statt mit ihnen gesprochen?
Dass es geht, ist längst bewiesen. München betreibt sein AzubiWerk gemeinsam mit
Kreisjugendring und DGB-Jugend und arbeitet an rund 1.000 Wohnungen. Hamburg hat
ebenfalls ein Auszubildendenwerk und etwa 550 Wohneinheiten für Azubis, Berlin
zieht in der Errichtung nach.
In Thüringen dagegen dreht sich die Debatte im Kreis. Der Landtag hat sich im
Dezember 2025 mit dem Haushalt 2026/27 zum Azubiwerk bekannt. Der
Ministerpräsident kündigte im Mai 2026 eine „Ausbildungskammer" an und will
seither prüfen, „was trägt". Nun fällt die Einrichtung des Auszubildendenwerks
in der Prüfung durch die Landesregierung durch. Es würde sich um den Aufbau von
Doppelstrukturen und zusätzliche Bürokratie handeln und erhöhten
Ressourcenbedarf erfordern. Alternativen werden dabei nicht vorgeschlagen.
Als Jusos Thüringen fordern wir die Landesminister:innen der SPD in der
Landesregierung und die SPD-Landtagsfraktion dazu auf, sich dennoch für die
Einrichtung eines Azubiwerks im Freistaat einzusetzen. Die Landtagsfraktion
fordern wir auf, das Azubiwerk in den nächsten Haushaltsverhandlungen zur
Priorität zu machen. Dabei dürfen die Mittel für das Studierendenwerk nicht
gekürzt werden. Das Ziel muss die Schaffung von Gleichwertigkeit von Studium und
Ausbildung sein und darf nicht die Umverteilung von Ressourcen zwischen jungen
Menschen bedeuten. Unser Ziel ist eine Gleichstellung von Auszubildenden und
Studierenden bei Vergünstigungen, Anerkennung, Stipendien und aller anderen
Lebensbereiche.
Die Jusos Thüringen fordern außerdem:
Es braucht keine weitere Machbarkeitsstudie und kein Modellprojekt,
sondern ein Azubiwerk, das - analog zum Studierendenwerk - durch
Landesgesetz als Anstalt des öffentlichen Rechts geschaffen,
institutionell gefördert und dauerhaft im Haushalt abgesichert wird. In
den
Gremien des Azubiwerks sollen paritätisch das Land, die Kommunen, die DGB-
Jugend, die Ausbildungskammern, der Landesjugendring, sowie gewählte
Auszubildende mit Sitze und Stimmrecht haben. Eine Kammerlösung ohne
gewerkschaftliche Beteiligung und ohne Mitbestimmungsrechte der
Auszubildende lehnen wir ab.
Es braucht bezahlbaren Wohnraum für Azubis. Diese müssen preisgebunden
sein und an den Berufsschulstandorten in Thüringen verfügbar sein. Wir
fordern die Errichtung von mindestens 500 Zimmern bis zum Jahr 2030. Die
Warmmiete muss dabei auf höchstens 25 Prozent der durchschnittlichen
Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr gedeckelt sein und ist daran
dynamisch zu koppeln.
Auch Mobilität, Kultur und Verpflegung müssen sich vom Azubigehalt
bezahlen lassen. Wir fordern deshalb weiterhin die Einführung eines
Ausbildungstickets für höchstens 29 Euro im Monat, das perspektivisch
kostenfrei, für Auszubildende, Berufsschüler:innen, Praktikant:innen und
Freiwilligendienstleistende, mit dem diese in ganz Thüringen den ÖPNV
nutzen können, zur Verfügung stehen soll. Wir fordern außerdem die volle
Erstattung durch das Land von Fahrt- und Übernachtungskosten bei
Blockunterricht und zu überregionalen Berufsschulen. Wir fordern außerdem,
bis zur Errichtung von Mensen für Azubis an den Berufsschulstandorten,
dass Azubis in den Mensen des Studierendenwerks zum vergünstigten
Studierendentarif essen können.
- Gute Ausbildung nützt der gesamten Thüringer Wirtschaft, nicht nur den
Betrieben, die selbst ausbilden. Wer keine Azubis einstellt, profitiert
trotzdem von den Fachkräften, die anderswo ausgebildet wurden. Wir fordern
eine solidarische Umlage, in die alle Arbeitgeber in Thüringen einzahlen,
analog zu den in Berlin und Bremen diskutierten Modellen mit 0,1 bis 0,5
Prozent der Bruttolohnsumme. Aus der Umlage werden die Betriebskosten des
Azubiwerks mitfinanziert.
Antragsbegründung
Erfolgt mündlich.
